Gerade unter (Reise-) Enduristen macht die Reifenwahl viel aus!

Der eine Reifen h├Ąlt lange, daf├╝r rutscht er vorne oder taugt nicht sonderlich bei Regen. Ein anderer hingegen ist toll im Gel├Ąnde, aber katastrophal auf der Stra├če und wiederum ein anderer kann alles gut, hat aber eine gef├╝hlte Lebensdauer einer Eintagsfliege. Wieso sollte man dann nicht einfach vorne und hinten unterschiedliche Reifen nutzen und das Beste aus beiden Welten nutzen?

Vorab! Ich gehe hier nicht auf die Thematik des M+S oder H├Âchstgeschwindigkeitsbegrenzung bei Stollenreifen ein. Bei dem Kontroversen Thema Bei├čen sich Fachleute die Z├Ąhne aus und k├Ânnen schon keine ad├Ąquate Antwort geben, da werde ich es erst recht nicht versuchen

Aber back to Topic: Ihr kennt das! Ihr habt einen neuen Satz Reifen probiert und seid von dem Vorderreifen begeistert, aber der Hinterreifen ist euch einfach ein Graus? Wie w├Ąre es denn jetzt, wenn man vorne diesen Reifen behalten k├Ânnte, aber hinten einen g├Ąnzlich anderen Reifen montiert… „Darf man nicht!“ w├╝rde der eine oder andere mit v├Âlliger ├ťberzeugung aus der Ecke heraus rufen. Aber stimmt das?

Mitas E10 Dakar auf der Yamaha XT1200Z Super Tenere

Darf er das?!


– Japp, darf man! Und zwar unter einer Pr├Ąmisse…


Wenn am Motorrad unterschiedliche Reifen hinsichtlich Modell und Hersteller montiert sind, ist dies im Regelfall zul├Ąssig. In manchen F├Ąllen sollte jedoch ein genauer Blick in die Zulassungsbescheinigung geworfen werden. Ist hier eine Reifenfabrikatsbindung vermerkt, ist bei diesem Motorrad von einer Mischbereifung abzusehen. Sollten Sie trotzdem verschiedene Reifen vorne und hinten anbauen wollen, k├Ânnten Sie eine Reifenfreigabe beantragen. Dies k├Ânnen Sie sowohl beim Reifen- als auch beim Motorradhersteller vornehmen. Auf diese Weise erhalten m├Âglicherweise die Best├Ątigung, dass der beantragten Pneus angebracht werden darf.

https://www.bussgeldkatalog.org/mischbereifung/

Hier die Kurzfassung:
Eingetragene Reifenfabrikatsbindung im Fahrzeugschein -NO WAY- , keine Fabrikatsbindung -OK- !
(nur leider haben wir die bei den hiesig zugelassenen Motorr├Ądern und m├╝ssen die erst austragen lassen)

Wann darf er das?!

Da gibt es nat├╝rlich das eine oder andere zu beachten neben der Fabrikatsbindung.

1. Grunds├Ątzlich m├╝ssen die Reifendimensionen passen! D.h. wenn ihr zwischen einem 130/70 R17 und einem 150/70 R17 aufziehen d├╝rft, ist der 170/60 R17 ein NoGo (auch wenn er theoretisch passen w├╝rde).

2. Der Geschwindigkeitsindex muss passen, vor allem seit die M+S Regelung nicht mehr f├╝r Motorr├Ąder zul├Ąssig ist. (Reifen mit Baujahr nach 2019) – Meine XT1200Z Super Tenere hat einen eingetragenen Index „V“ das hei├čt der Reifen muss f├╝r bis zu 240Km/H zugelassen sein, auch wenn ich nie so schnell fahre. Aber hier liegt auch schon das Problem bei Stollenreifen, ich kenne keinen mit einem so hohen Speedindex. Ignorieren wir den Fakt einfach mal, weil es ja auch langsamere Motorr├Ąder wie die T700 gibt.

3. Das Fahrzeug muss Serienzustand haben… Nat├╝rlich ist hier nicht die Rede von den nachger├╝steten LED-Blinkern oder den eloxierten Schrauben mit den man gleich 30┬á% mehr Nm bekommt (Vorsicht Ironie), sondern von Schwingen umbauten oder Sonderfelgen. Das d├╝rfte aber eher die SuMo Fahrer betreffen, die es aber vermutlich weniger interessiert, ob etwas mehr an dem Motorrad illegal ist oder nicht. (Witzig, weil es wahr ist)

Wieso macht das dann nicht jeder?

Witzige Sache… tut fast jeder!
Nur wir Deutsche nicht, da wir sehr gutgl├Ąubig sind und auf das h├Âren was man uns sagt. Nicht ohne Grund sind wir im Ausland als „nicht risikobereit“ und als „B├╝rokratenvolk“ bekannt, die immer darauf warten alles abgesegnet zu bekommen. Fakt ist, dass es z.B. in den USA gang und g├Ąbe ist sich vorne einen Conti TKC 80 aufzuziehen und hinten einen Mitas E10. Aber f├╝r alle die an der „German Angst“ leiden, hier die typischen Bedenken die man so zu h├Âren bekommt:

H├Âheres Risiko, in Kurven auszubrechen: Wenn die unterschiedlichen Pneus mit einem verschieden starken Grip (Haftung auf der Stra├če) daherkommen, k├Ânnte dies vor allem zu Instabilit├Ąt in Kurven f├╝hren.

L├Ąngerer Bremsweg: Unterschiedliche Reifen k├Ânnen die Bremswirkung negativ beeinflussen und auf diese Weise den Bremsweg verl├Ąngern.

Unter- oder ├ťbersteuerung bei Sommer- und Winterreifen: Wenn Sie Winterreifen und Sommerreifen mischen, entscheiden Sie sich damit f├╝r einen Mix aus Materialzusammensetzungen und Fahreigenschaften. Wenn Sie daher Winterreifen und Sommerreifen mischen, birgt dies ein besonders hohes Unfallrisiko.

H├Âhere Gefahr f├╝r Aquaplaning: Eine Mischbereifung f├╝hrt dazu, dass die eine Pneus-Art das Wasser besser ableitet als die andere.

Insgesamt weniger Stabilit├Ąt beim Fahren: Da ein Reifenmix f├╝r verschiedene Fahreigenschaften sorgt, bspw. bei der Materialzusammensetzung, der Profiltiefe oder eben auch bei der Profilgestaltung, k├Ânnte damit die gesamte Fahrstabilit├Ąt verringert werden. Insbesondere bei ung├╝nstigen Witterungsbedingungen k├Ânnte dies zur Gefahr werden.

https://www.bussgeldkatalog.org/mischbereifung/

Ich denke mal damit ist alles gesagt. Wenn Ihr vorhabt verschiedene Reifen zu nutzen, wisst ihr worauf man achten muss, und wenn nicht ist das auch ok ­čśë

Hier nochmal der komplette Auszug f├╝r alle, die es genau wissen wollen:

Quelle: BMVI

One response

  1. Wie Du schon sagst: Typischer deutscher Schwachsinn! Wenn ich meine Allj├Ąhrlichen 8000 – 10000 KM Sommertrip starte, dann richten sich die Reifen nach zu erwartender Strassenbeschaffenheit (meistens ein 50/50 Mix aus Asphalt und Dreck), Wetter-Tauglichkeit (was heutzutage eigentlich kaum noch ein Problem darstellt) und (f├╝r mich wichtig) Lebensdauer. Da ich normalerweise recht wenig Lust dazu empfinde w├Ąhrend des Trips einen Reifen zu wechseln, kommt normalerweise ein Reifen drauf aus dem ich die geplante Strecke rauskriege. Vorne ist das kein Problem, da sogar ein TKC80 (selbst bei forscher Fahrweise) mir mindestens 10000KM h├Ąlt, meistens so um die 15000. Hinten sieht das schon anders aus, aber meine Reifenwahl in den letzten Jahren hat mir eigentlich immer den ganzen Trip gehalten. Hin und wieder habe ich die letzten 300KM+- mit Slicks zur├╝ckgelegt… Pirelli, Shinko, Mitas, Bridgestone etc. hinten und TKC80, Shinko oder Mitas vorne. Damit kann man das Moped dann auch „beherzt“ bewegen, wenn einem der Sinn danach steht und der Untergrund ist eigentlich recht egal. Wenn es richtig schlammig wird, dann ist der Reifen eh‘ egal, weil dann kein Reifen mehr funktioniert! Viel Spass beim fahren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht ver├Âffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Translate ┬╗